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75 Jahre Papstwagen von Mercedes-Benz

08 giugno 2005

Seit 1930 stellt Mercedes-Benz die Papstwagen: Im Sommer vor 75 Jahren erhält Papst Pius XI. einen Mercedes-Benz Nürburg als Geschenk der Daimler-Benz AG. In den folgenden Jahrzehnten liefert Mercedes-Benz dem Vatikan verschiedene aufwändig umgebaute Limousinen, Landaulets und Geländewagen in Sonderausführung als offizielle Fahrzeuge des Heiligen Vaters. So verbindet seit einem dreiviertel Jahrhundert eine enge Beziehung die Stuttgarter Automobilmarke mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche.

Der Passagier ist begeistert. Die einstündige Probefahrt mit seinem neuen Mercedes-Benz in den Gärten des Vatikans hat Papst Pius XI. sichtlich gefallen. Von einem „Wunderwerk moderner Technik“ schwärmt der Heilige Vater, als er aus der Pullman-Limousine vom Typ Mercedes-Benz Nürburg 460 steigt. Der Noble Wagen mit dem Stern auf der Kühlerhaube ist ihm von einer Delegation der Daimler-Benz AG übergeben worden und soll in den nächsten Jahren Geschichte machen – als erstes Automobil, das regelmäßig von einem Papst benutzt wird.

Die Wahl der Basis für das erste Papstautomobil fällt leicht: Für die Daimler-Benz AG kommt nur der 1928 vorgestellte Mercedes-Benz Typ Nürburg 460 als standesgemäßes Gefährt für den Pontifex Maximus in Frage. Es hat einen Reihenachtzylindermotor mit 4622 Kubikzentimeter Hubraum, der 80 PS bei 3400/min leistet – gut für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.

Sehr gründlich wird der Innenraum der Pullman-Limousine an die Wünsche und Bedürfnisse des Papstes angepasst. Für den Heiligen Vater entsteht ein Thronsessel im Fond des Nürburg, bezogen mit feinem Seidenbrokat. Die Bespannung des Wagendachs ist handbestickt und zeigt den Heiligen Geist, symbolisiert durch eine Taube. Passend zur Stickerei wählen die Konstrukteure edle Hölzer und Metalle für die Ausstattung des Papstwagens. Über ein Steuerpult kann der Papst seinem Chauffeur Anweisungen geben zu Geschwindigkeit und Fahrtziel. Alles fügt sich in diesem besonderen Mercedes-Benz zu einem eindrucksvollen Gesamtbild.

In den folgenden Jahren ist der Typ Nürburg das standesgemäße Gefährt für den Pontifex Maximus. Nicht nur Papst Pius XI., auch seine Nachfolger auf dem Stuhl Petri schätzen das Auto. Nach einer Laufleistung von rund 40 000 Kilometer wird es aus dem aktiven Dienst des Fuhrparks genommen und zusammen mit anderen herausragenden Fahrzeugen der Päpste im Museum des Vatikanstaates gezeigt.

1983 kommt der erste Papstwagen zurück nach Stuttgart, um in der Museumswerkstatt fachgerecht restauriert zu werden. Die Arbeiten dauern mehr als ein Jahr – wie schon der Bau des Sondermodells Anfang der 1930er Jahre. Papst Johannes Paul II. nimmt den geschichtsträchtigen Mercedes-Benz im Herbst 1984 wieder im Vatikan entgegen. Und ganz in der Tradition von Pius XI. lässt sich der Papst mit dem restaurierten Nürburg 460 zu einer Probefahrt durch die Gärten des Vatikans chauffieren. Seither ist er ein Höhepunkt der Sammlung „Museo delle Carrozze“ im historischen Museum des Vatikans.

Die weiteren Papstwagen

Seit dem ersten Papstwagen lieferte Mercedes-Benz immer wieder repräsentative Fahrzeuge an den Vatikan. Die weiteren Modelle:

1960: Mercedes-Benz 300 d (Baureihe W 189) mit verlängertem Radstand in Landaulet-Ausführung.

1965: Mercedes-Benz 600 (Baureihe W 100) mit langem Radstand, ebenfalls als Landaulet. Heute steht dieser Wagen im Mercedes-Benz Museum in Untertürkheim.

1966: Mercedes-Benz 300 SEL (Baureihe W 109). Das Fahrzeug hat keine ganz so luxuriöse Ausstattung wie der Typ 600. Dafür wird es 1981 nachträglich gepanzert.

1967: Zwei sechssitzige Limousinen Mercedes-Benz 300 SEL (Baureihe W 109) mit langem Radstand. Sie werden vor allem eingesetzt, um hochrangige Gäste des Vatikans zu chauffieren.

1980: Mercedes-Benz 230 G (Baureihe 460 G 23). Es ist der erste Papstwagen mit einem Glaskuppelaufbau.

1982: Mercedes-Benz 230 GE (Baureihe 460 G 23), ebenfalls mit Sichtkuppel.

1985: Mercedes-Benz 500 SEL in Sonderschutzausführung (Baureihe V 126). Der neue Wagen löst den Mercedes-Benz 600 aus dem Jahr 1965 ab. Mit dieser Limousine unternimmt auch Papst Benedikt XVI. nach seiner Wahl 2005 die ersten offiziellen Fahrten in Rom. 1997: Mercedes-Benz S 500 L in Sonderschutzausführung (Baureihe V 140).

2002: Mercedes-Benz ML 430 (Baureihe W 163) mit Glaskuppelaufbau.

Ein Special auf den Medienseiten von DaimlerChrysler Heritage informiert ausführlich über die Markengeschichte der aus Stuttgart stammenden Automobile für den Heiligen Vater.



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