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Alfa Spider: Spider ist Alfa Romeo

16 giugno 2006

„Spider ist Alfa Romeo“ lautete ein Werbeslogan vor fast dreißig Jahren. Diese knappen vier Worte betiteln treffend Spidermodelle, für deren Technik und Fahrspaß seit ungefähr achtzig Jahren die Marke Alfa Romeo bürgt. Ein Automobilhersteller wie Alfa Romeo, dessen Name von Anbeginn an mit Sportlichkeit einherging, konnte auch nur im Spider seine Philosophie von Freiheit und Leidenschaft zum Ausdruck bringen.

Wie viele historische Meilensteine, die im Verlauf der Jahrzehnte zu einem kollektiven Maßstab geworden sind, entstand auch der Spider von Alfa Romeo ohne einen besonderen Namen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fuhren die Fahrzeuge aus dem Mailänder Stadtteil Portello, wie der 40-60 HP, der 20-30 ES oder der RL (die ersten „offenen“ Fahrzeuge von Alfa Romeo), als Erste unter den Zielflaggen auf den Rennen der Targa Florio, in Brescia, in Modena und in Parma
hindurch. Die damalige Geschäftsleitung ahnte sofort, dass es für den Verkauf an die breite Kundschaft kein besseres „Werbekonzept“ als ein Fahrzeug gibt, das sich im Motorsport zahlreiche Siege erobert.

Dank der Erfindungen und der Passion von Entwicklern und Technikern wie Merosi und später Jano dominierten diese Fahrzeuge mit ihrer Geschwindigkeit die Rennstrecken und mit ihrer Eleganz die Straßen der ganzen Welt. Dafür sorgten die perfekten Motoren und die Kunstfertigkeit von Carrossiers wie Zagato und Touring, die der Kraft der Sechszylinder-Motoren des 1500 und des 1750 die dynamische Gestalt eines offenen Sportwagens verliehen.
Die angelsächsische Welt blickte mit großem Interesse auf diese offenen Fahrzeuge, die aufgrund spezieller aerodynamischer Lösungen höhere Fahrgeschwindigkeiten als die Limousinen erreichten. Diese „schnelleren“ Fahrzeuge erhielten daher die Bezeichnung „speeder“. Dieser Begriff wurde später lautsprachlich in „spider“ umgeformt und hat daher nichts mit der Spinne zu tun.

Im Verlauf der dreißiger Jahre erlebten die Technik und der Stil, die sich bereits auf Avantgardeniveau befanden, eine weitere Entwicklung. Die Motoren gelangten bis auf acht Zylinder und auch die Leistungsstärke nahm zu. Die Schwierigkeiten der Rennstrecken in ganz Europa (von Le Mans bis Monza) und die hartnäckigsten Gegner konnten der überlegenen Macht des 8C 2300 Spider Corsa oder des 8C 2900 A und B nichts anhaben.

Am Steuer dieser Boliden, die zuerst in die Kurvenmitte schießen und anschließend mit untersteuerndem Verhalten hinausgleiten, befand sich der (vielleicht) größte Rennfahrer aller Zeiten: Tazio Nuvolari.

Im Zweiten Weltkrieg kam die gesamte italienische Automobilindustrie zum Erliegen. Wenngleich der Wiederaufschwung bereits Anfang der fünfziger Jahre einsetzte, führte erst der neue Wohlstand der sechziger Jahre zu einer steigenden Nachfrage nach kleinen Coupés und Spidern. Alfa Romeo schuf für diesen Bedarf die offene Variante einer Coupé-Version, die mit einem markanten, charakterstarken Design bestach. Im Jahr 1955 hatte damit die Geburtsstunde des Giulietta Spider geschlagen.

In der Vergangenheit hatten Zagato und Touring die Spider karossiert. Für den Giulietta Spider beschloss hingegen die Unternehmensleitung von Alfa Romeo, jeweils einen Prototyp an Bertone („Vater der Coupévariante Giulietta Sprint) und an Pininfarina in Auftrag zu geben. Die ansprechenden, wohlproportionierten Formen, das geschwungene und zugleich markante Design sollten den Erfolg des Modells besiegeln, das aus den Designbüros von Giovan Battista Farina stammte und von diesem liebevoll „la signorina“ betitelt wurde.

Der Giulietta Spider wurde anfangs nur auf dem amerikanischen Markt herausgebracht, wo sein formschönes Design künstlerische Kultur verkörperte und der glorreiche Markenname „a different way of life“ symbolisierte. Wenn diese kleinen (häufig weißen) Fahrzeuge aus Mailand auf den New Yorker Avenues dahinglitten, machten sie Sensation.

In Italien war der Spider (und vor allem Alfa Romeo) zum festen Bestandteil des Zeitgeschmacks geworden und aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken: Agile, schnittige Sportwagen ließen an den Ampeln schwerfällige Limousinen hinter sich. Es bildeten sich sogar die Formation der Giulietta Fahrer und die Formation der „Spideristi“ heraus, die sich der englischen Tradition verpflichtet fühlten. Das Nationaldenken und der Nationalstolz, der auf dem Bewusstsein der Produktqualität aufbaute, behielten jedoch Überhand. So war es kein Zufall, als der Giulietta Spider schließlich auch in die Welt der Werbung eintrat, mit keinem Geringeren als Domenico Modugno am Steuer.

Es handelte sich jedoch nicht nur um eine Stilerscheinung, der Giulietta beschränkte sich nicht lediglich darauf, ein Statussymbol zu sein. Wie jeder Alfa Romeo erlebte auch dieses Modell seine Feuertaufe im Motorsport (es sei an ein 12-Stunden-Rennen in Sebring im Jahr 1960 erinnert). Der originellste und medienwirksamste Sieg wurde von einem Giulietta Spider Veloce mit Sanesi am Steuer errungen, der den Schnellzug Settebello (der Stolz des damaligen Eisenbahnbaus) auf der Strecke Mailand-Rom mit einem Vorsprung von zwanzig Minuten schlug.

Zwischen Ende der fünfziger Jahre und Beginn der sechziger Jahre war auch der Carrossier Touring nicht müßig. Er zog der aggressiven Sportlichkeit elegante Formen vor und karossierte raffinierte Spider mit 2- oder 2,6-Liter-Aggregaten, die sofort den Geschmacksnerv des Jet-Sets trafen. Sie entsprachen einem raffinierten, stilvollen Lebensmodell und wurden in unvergesslichen Interpretationen von Schauspielern wie Rossano Brazzi und Ugo Tognazzi verewigt, die sich über ein Zusammenspiel von Stilzitaten perfekt mit der Touring Klasse vereinten.

Die Spider, von denen bisher die Rede war, stellten im Wesentlichen die „offene“ Karosserievariante von Limousinen- oder Coupémodellen dar. Auf dem Genfer Automobil-Salon von 1966 präsentierte Alfa Romeo jedoch einen Spider, der aufgrund seiner Originalität keinem der anderen damals produzierten Modelle zugeordnet wurde.

Die Unternehmensleitung, das sich vom (ihrer Meinung nach der Vergänglichkeit anheim fallenden) Design des Giulietta loslösen wollte, gaben der Karosserieschmiede Pininfarina (die mittlerweile unlöslich mit den Spidermodellen von Alfa Romeo verbunden war) ein neues Fahrzeug mit einem 1,6-Liter-Motor in Auftrag.

Im Jahr 1966 entstand daraufhin der „1600 Spider“ mit einer „harmonisch übertriebenen“ Flachform, die einem Tintenfischknochen zu ähneln schien, der in geschmeidige Rundformen von manieristischer Anmutung gehüllt war. Dieses Design war für einen Spider von Alfa Romeo allerdings keine Neuheit. Viel Neugier und großes Interesse hatte bereits vierzehn Jahre zuvor der Spider 1900 C 52 mit der Bezeichnung „Disco Volante“ erregt.

Nach Modellen mit hoch assoziierenden Namen wie Giulietta und Giulia, konnte dieser 1600 Spider selbstverständlich nicht einer rein technischen Bezeichnung verhaftet bleiben. Daher rief die Geschäftsleitung von Alfa Romeo unter der Führung von Giuseppe Luraghi einen Wettbewerb aus: Der Person, die einen Namen erfinden sollte, der von einer eigens hierfür eingerichteten Jury als passend beurteilt werden würde, wurde als Preis ein 1600 Spider versprochen. Die Teilnahmen an diesem Wettbewerb übertrafen die rosigsten Erwartungen, so dass nach der Entscheidung der Jury, die auf den Namen „Duetto“ fiel, unter allen Einsendungen ausgelost werden musste, die diesen Namen vorschlugen. Das Glück bedachte Guidobaldo Trionfi, der an die Anzahl der Insassen, die Musik des Motors und die Harmonie einer zu Gefühl werdenden Form gedacht hatte.

Die Karriere des Duetto hatte jedoch gerade erst begonnen. Aus Amerika kam ein junger Dustin Hoffman im Film „Die Reifeprüfung“ zu den Noten von „Mrs. Robinson“ von Simon & Garfunkel, auf die italienischen Kinoleinwände an Bord eines roten Duetto gefahren. Film und Auto waren dermaßen erfolgreich, dass in Amerika eine Spider-Sonderserie mit dem Namen „Graduate” herauskam.

Die siebziger Jahre diktierten einen anderen Stil, so dass das Modell ein radikales Facelift erfuhr, das vorrangig den Heckbereich betraf, in dem die Form des Tintenfischknochens verschwand und von dem allgemein bekannten „Fastback“ abgelöst wurde. Auch die Motorversionen veränderten sich mit der Zeit von 1.300 cm3 über 1.750 cm3 bis hin zu 2.000 cm3.

In diesen Jahren und bis zum heutigen Tag ist die Produktion von Alfa Romeo Spidern durch eine anhaltende Kontinuität gekennzeichnet. Die Marke Alfa Romeo bezeugt damit ihren festen Platz im Spidersegment und das Bewusstsein dieser Bedeutung in einer Welt der Leidenschaft und Sportlichkeit, des Windes und des Asphalts.
Und nicht zuletzt: Spider ist Alfa Romeo.


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