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Volkswagen fordert bevorzugte Förderung von Biokraftstoffen der 2. Generation

13 settembre 2006

Volkswagen setzt bei seiner Antriebs- und Kraftstoffstrategie auf innovative Biokraftstoffe der 2. Generation und fordert von der Politik ein nachhaltiges Steuermodell, das Sicherheit für Investitionen in die Entwicklung und Markteinführung dieser neuen Kraftstoffe bietet.

"Die heutige Bewertung der Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen der 1. und der 2. Generation ist in jeder Hinsicht unbefriedigend, sowohl wirtschaftlich als auch mit Blick auf die Umwelt. Bio ist eben nicht gleich Bio: Bei einigen Biokraftstoffen der 1. Generation muss man regelrecht von einem ‚Wolf im Schafspelz’ sprechen. Sie weisen zum Teil eine schlechtere CO2-Bilanz auf als herkömmlicher Otto-Kraftstoff. Trotzdem firmieren sie unter dem Prädikat ‚Biokraftstoff’", sagte Dr. Bernd Pischetsrieder, Vorsitzender des Vorstandes der Volkswagen Aktiengesellschaft, am Donnerstag in Berlin. „Biokraftstoffe der 1. Generation werden mit knappen Haushaltsmitteln steuerlich gefördert und führen damit zu Fehlinvestitionen. Hier kann man kaum von Nachhaltigkeit sprechen, weder im ökologischen, noch im ökonomischen Sinn."

Volkswagen arbeitet seit Jahren intensiv an Konzepten zur Verbrauchsminderung und zur Substitution fossiler Energieträger. „Unser Kraftstoffkonzept beruht auf den Biokraftstoffen der 2. Generation, die weitgehend CO2-neutral aus Biomasse gewonnen werden können und nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen", so Pischetsrieder.

Biokraftstoffe der 2. Generation stehen jetzt an der Schwelle ihrer Kommerzialisierung. „Die Beimischung von biomassebasierten Kraftstoffen der 2. Generation ist technisch schnell umsetzbar und hilft damit kurzfristig bei der CO2-Reduzierung", so Pischetsrieder. Die Massenproduktion von Bioethanol der 2. Generation ist wegen des verhältnismäßig hohen Herstellungsaufwands bisher noch nicht wirtschaftlich. Die reinen Herstellungskosten von Zellulose-Ethanol übersteigen derzeit sowohl die Kosten mineralölbasierten Benzins als auch die des konventionellen Bioethanols. Um diese Kraftstoffe trotzdem erfolgreich in den Markt zu bringen und eine Kosten reduzierende Weiterentwicklung anzustoßen, müssen langfristige Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die bessere CO2-Effizienz auch finanziell attraktiv machen.

„Biokraftstoffe der 2. Generation können sich nur über ein nachhaltiges und ganzheitliches Steuermodell im Markt etablieren, das marktwirtschaftlich orientierte Anreize bietet", sagte Pischetsrieder. Neben der CO2-Effizienz als Maßstab fordert er zusätzliche Nachhaltigkeitskriterien bei der Kraftstoffbesteuerung, die sich z.B. am Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, am Schutz von Regenwaldgebieten sowie an Sozialstandards, Beschäftigungspotenzialen und Versorgungssicherheit orientieren. „Überförderung und die Fehlallokation volkswirtschaftlicher Ressourcen müssen vermieden werden", so Pischetsrieder. Volkswagen hat ein Besteuerungsmodell entwickelt, das sowohl die CO2-Effizienz (Primärkriterium) als auch die genannten Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. Ein solches System könnte nach Ansicht von Volkswagen für eine europäische Harmonisierung der Besteuerung dienen.

„Volkswagen arbeitet bereits an Konzepten zur industriellen Produktion von Biokraftstoffen der 2. Generation und ist bereit, ihre Herstellung mit erheblichen Investitionen voranzutreiben", sagte der Leiter der Konzernforschung von Volkswagen, Prof. Dr. Jürgen Leohold. Volkswagen begrüße die von der Bundesregierung vorgesehene Steuerbegünstigung für Biomass-to-Liquid und Ethanol aus Zellulose bis 2015. „Wir bezweifeln aber, dass das für eine langfristige Planungssicherheit von Großinvestitionen ausreicht", sagte Leohold weiter.

Neue Bio-Kraftstoffe reduzieren Emission von Kohlendioxid deutlich

Zu den Biokraftstoffen der 2. Generation gehören der synthetische Biomass-to-Liquid-Kraftstoff SunFuel®. und Zellulose-Ethanol, die die Verarbeitung ganzer Pflanzen sowie von Pflanzenresten unterschiedlichster Art, wie z.B. Stroh, erlauben. Biokraftstoffe der 1. Generation, wie Biodiesel oder Bioethanol, werden überwiegend nur aus der Pflanzenfrucht gewonnen. Biokraftstoffe der 2. Generation führen zu dreimal höheren Hektarerträgen und stellen im Gegensatz zu denen der 1. Generation keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion dar.

Bei der Kraftstoffentwicklung arbeitet Volkswagen eng mit anderen Automobilherstellern sowie mit Biotech-Firmen und Mineralölkonzernen zusammen. Der Autohersteller unterstützt die Entwicklung Erfolg versprechender Verfahren und arbeitet schon heute an darauf abgestimmten Antriebssystemen: Gemeinsam mit CHOREN Industries GmbH und weiteren Partnern entwickelte das Unternehmen den vollsynthetischen Dieselkraftstoff SunFuel®. Durch die Verwendung von Biomasse kann hierbei der CO2-Kreislauf fast vollständig geschlossen und eine Reduktion der Treibhausgase um ca. 90 Prozent erreicht werden. Bei Otto-Kraftstoffen kooperiert Volkswagen unter anderem mit der kanadischen Iogen Corporation, deren Verfahren zur Herstellung von Zellulose-Ethanol ein ähnlich hohes CO2-Reduktionspotential bietet.



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